Wer überall Mangel befürchtet, ist früher oder später von der Rolle

Wer überall Mangel befürchtet, ist früher oder später von der Rolle

Eigentlich weigere ich mich ja, aktuelle Geschehnisse in meinen Posts zu verarbeiten. Aber heute möchte ich etwas teilen, das ich im Netz gefunden habe und worüber ich herzlich gelacht habe. Es war das Bild eines Fußballstadions vor Beginn der Pandemie. Ganz offensichtlich war gerade ein Tor gefallen. Denn die Fans hatten wie üblich Toilettenpapierrollen auf den Rasen geworfen. Das abgerollte Papier hing in schlappen Fahnen über die unteren Tribünen und verzierte den Spielfeldrand. Dazu der Spruch: „Damals, als wir noch im Überfluss lebten…“. Ich schmunzele jetzt noch über die Veräppelung der Hamsterkäufe, die mittlerweile wieder begonnen haben. Obwohl die Botschaft eigentlich traurig ist. Denn sie ist wahr und hat nichts damit zu tun, dass sich die Rarität Klopapier, sobald verfügbar, wieder „dreilagig“ in vielen Einkaufswagen stapelt – eine Lage auf den Konserven, Lage Zwei auf den Fertiggerichten und die Dritte auf den Milchtüten. Denn selbstverständlich fällt es unter Überfluss, wenn Menschen Dinge zum Vergnügen aus einer momentanen Laune heraus zweckentfremden. Und das besagte Papier, das nicht in der Schüssel, sondern am Fußballtor landet, ist zweckentfremdet. Es verliert seinen Nutzen und hat nur noch Symbolwert (es steht stellvertretend für die Emotionen der Zuschauer). Am Ende wird es in beiden Fällen entsorgt – alles andere wäre auch eine Zumutung. Doch die Symbolkraft scheint vielen Menschen inzwischen wichtiger zu sein als der Nutzen. Denn was passiert, wenn Menschen horten, statt zu geben? Wenn dreissig statt drei Rollen eingekauft werden? Auch dann hat der „Überfluss“ an Toilettenpapier überwiegend Symbolwert: Es ist die Absicherung vor einem möglichen konkreten Mangel. Ich bin der Überzeugung, dass unsere Gefühle und Gedanken das hervorbringen, worauf wir sie programmieren. Wenn wir an Mangel denken, ob finanziell, emotional, materiell oder im Sinne von „Ich fürchte, wenn ich nicht genügend kaufe, bleibt mein Allerwertester bald dreckig“,  wird dieser oder stellvertretend ein anderer Mangel eintreten. Wenn wir aus dem Herzen handeln und Fülle spüren, erleben wir sie. Insofern haben es die Fußballfans im Sturm ihrer Emotionen richtig gemacht. Damals, als sie noch im Überfluss lebten.

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Franz administrator

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